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I

Die Panik hatte mich fest im Griff. So schnell ich konnte rannte ich die leere Schnellstraße entlang. Ich durfte nicht anhalten, dann würde er mich kriegen. Und er würde mich töten. Ich dachte nicht darüber nach wo ich lang lief. Ich rannte einfach nur immer weiter. Weg von dem Auto. Weg von meiner Mutter, die in diesem Auto saß, eine große rote Wunde an der Stin, die von ihrem Aufprall an der Windschutzscheibe zeugte. Und weg von ihrem Mörder. Dem Mann, der sie auf unerklärliche Weise getötet hatte. Sein Bild brannte sich in mein Gehirn. Ich konnte ihn nicht ansehen, denn es brannte, als ob Feuer in meinem Kopf glühen würde. Aber ich konnte das Bild nicht verscheuchen. Das Bild von dem wunderschönen jungen Mann, mit dem engelsgleichen Gesicht, dem die blonden Locken in die Augen fielen, als er mich schreckerstarrt, voller Furcht und mit einem Hauch von mildem Erstaunen anblickte. Dabei war ich es gewesen, die bei dieser Begegnung fast ihr Leben lassen musste. So wie meine mom.. meine mom war tot. Tot. Ich rannte immer noch, weiter in den Wald hinein, wo er mich nicht finden konnte. Er durfte mich nicht töten, Ich musste weg. Meine Lunge brannte bei jedem Atemzug. Es war mir fast nicht mehr möglich Luft zu holen. Und ich hatte Seitenstechen. Ich wusste, das ich eine Pause brauchte, ich musste stehenbleiben. Nur kurz. Meine Atmung zur Ruhe bringen. Die Schmerzen verebben lassen. Stolpernd hielt ich an. Ich stützte mich gegen einen Baum und holte zitternd Luft. Immer noch waren meine Gedanken verschwommen. Ich konnte sie nicht fassen, sie flohen vor mir, sobald sie in Greifweite kamen. Ich ließ meinen Körper nicht lange ruhen. Denn immer noch wusste ich, dass ich verfolgt wurde.Ich wusste dass ich in Gefahr schwebte und dass ich unbedingt weg musste. Also lief ich weiter. Diesmal begann ich nicht sofort so schnell zu rennen wie ich konnte. Ich begann sehr langsam, steigerte mein Tempo etwas, bis ich nicht schneller konnte. Ich versuchte ruhig zu atmen um das Tempo lange durchzumachen und so lief ich durch den Wald, bis mir die Füße schmerzten, bis meine Handflächen von dem häufigen Fallen auf den rauen Waldboden aufgeschürft und blutig waren. Bis die Leggins unter meinem blauen Stufenmini zerfetzt an meinen Beinen hing und ich einfach nicht mehr laufen wollte. In diesem Moment erreichte ich einen alten Maschendrahtzaun. Ich hielt inne. Der zaun war rostig und an einigen Stellen bereits zerfallen. An anderen Stellen sah er aus, als wäre er gewaltsam auseinander gerissen worden. Hinter dem Zaun lag ein zerfallenes Fabrikgelände. Inmitten eines von Schutt übersäten Hofes befanden sich ein paar Gebäude, deren Dächer längst nicht mehr auf den Mauern ruhten. Die Wände waren zerfallen un ddas einzige, das noch einigermaßen aufrecht stand war der Fabrikschlot, der hinter einer dieser Wände aufragte. Um die Gebäude türmten sich riesige Berge. Berge aus Müll, aus Holzpfählen, Mauerbruchstücken, Stahlträgern und Ziegelsteinen. Während ich meine Beobahtungen anstellte umrundete ich den Hof langsam, indem ich an dem Zaun entlang strich. Als ich an einer Lücke ankam, durch die auch ein gut gebautes Pferd gepasst hätte, dachte ich nicht lange nach, sondern stieg kurzerhand hindurch. Nun mitten in all dem Dreck watend ging ich weiter. Als ich um das erste Gebäude fast herumgegangen war, fiel mein Blick über den entfernten Wipfeln der Bäume auf den Himmel. Der Himmel hatte sich verfärbt. Er war nicht mehr strahlend blau wie noch eben, er hatte sich in ein leichtes pink verfärbt, das in seiner Pracht die ganze Gegend überstrahlte. Es war der Abendhimmel. Noch während ich gebannt auf dieses Phänomen blickte merkte ich wie schrecklich müde ich war. Meine Beine wollten mich keinen Meter mehr tragen. Ich senkte den Blick wieder und als sich meine Augen an die hereinbrechende Dämmerung zwischen den alten Mauern gewöhnt hatten, fiel ihr Blick auf eine kleine Hütte. Sie stand nicht weit entfernt, noch relativ aufrecht, und ein Dach hatte sie auch noch. Langsam ging ich hinüber. Durch die unverschlossene Türöffnung trat ich in einen leeren Raum. Es befand sich nichts darin. rein gar nichts. Sie hatte nicht einmal einen richtigen Boden. Aber ich dachte nicht länger darüber nach. Langsam ging ich in die hinterste Ecke des Raums und ließ mich nieder. Ich zog die warme Strickjacke, die meine Mutter mir gerade erst gekauft hatte eng um mich um mich warm zu halten. Dann rollte ich mich zusammen und war wenige Stunden später vor Erschöpfung eingeschlafen.

4.10.11 20:08

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